Das Geldspielgesetz (BGS) seit 2019 — was es regelt und was es für Sportwetter wirklich bedeutet
Wer in der Schweiz auf Fussball wetten möchte, stösst früher oder später auf eine Frage, die einfach klingt, aber alles andere als einfach zu beantworten ist: Ist das überhaupt legal? Das Bundesgesetz über Geldspiele (BGS), das am 1. Januar 2019 in Kraft getreten ist, hat die Spielregeln grundlegend neu gezogen — und die meisten Tipper kennen sie bis heute nicht vollständig.
Das BGS regelt alle Formen von Geldspielen in der Schweiz — von Casinos über Lotterien bis hin zu Sportwetten. Es unterscheidet zwischen Grossspielen (die interkantonal, online oder automatisiert durchgeführt werden) und Kleinspielen (lokale, eingeschränkte Veranstaltungen). Sportwetten, die online oder kantonsübergreifend angeboten werden, fallen ausnahmslos in die Kategorie der Grossspiele und dürfen nur von konzessionierten Anbietern betrieben werden. Das bedeutet konkret: Nur wer eine Konzession der Interkantonalen Geldspielaufsicht (Gespa) besitzt, darf Schweizerinnen und Schweizern Sportwetten anbieten.
Laut Gespa-Jahresbericht 2024 betrug der Bruttospielertrag (BSE) aus interkantonal, automatisiert oder online durchgeführten Lotterien und Sportwetten in der Schweiz im Jahr 2024 CHF 1,25 Milliarden — ein Plus von 7,9% gegenüber dem Vorjahr (Gespa, Jahresbericht und Statistik 2024). Diese Zahl zeigt: Der Markt wächst rasant, während die Rechtslage seit 2019 klar definiert ist. Ein Markt mit einem Milliardenumsatz, der faktisch von zwei Anbietern beherrscht wird — das erzeugt naturgemäss Spannungen und Graubereiche, die dieser Guide beleuchtet.

Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen der Gespa (Interkantonale Geldspielaufsicht) und der ESBK (Eidgenössischen Spielbankenkommission). Die Gespa ist die primäre Regulierungsbehörde für Lotterien und Sportwetten — also alles, was Swisslos und die Loterie Romande betreiben. Die ESBK reguliert Spielbanken und hat eine ergänzende Rolle bei der Durchsetzung gegen illegale Online-Glücksspielangebote. Beide Behörden arbeiten eng zusammen, verfolgen jedoch unterschiedliche Bereiche des Markts.
Wer darf legal Sportwetten in der Schweiz anbieten — und warum sind es nur zwei?
Gemäss Gespa-Statistiken betreibt Swisslos sein Sporttip-Angebot über ein Netz von über 4’000 Verkaufsstellen in der deutschsprachigen Schweiz, im Tessin und in Liechtenstein (Swisslos, swisslos.ch, 2026). Die Zahl 4’000 klingt gross — und sie ist es. Dennoch haben zwei Monopolisten einen Markt zu bedienen, der weit über ihre Angebotsgrenzen hinaus reicht.
Artikel 106 der Schweizerischen Bundesverfassung legt fest, dass Sportwetten, die interkantonal, online oder automatisiert durchgeführt werden, nur von Swisslos und der Loterie Romande angeboten werden dürfen. Wie Patrik Eichenberger in der Volkswirtschaft 2025 festhält: «Sportwetten, die interkantonal, online oder automatisiert durchgeführt werden, dürfen nur von der Loterie Romande und von Swisslos angeboten werden.» Diese Formulierung lässt keinen Spielraum — es gibt schlicht keine weiteren legalen Anbieter.

Swisslos betreibt Sporttip für die deutschsprachige Schweiz, das Tessin und Liechtenstein. Die Loterie Romande ist zuständig für die Westschweizer Kantone Jura, Neuenburg, Waadt, Wallis, Genf und Freiburg. Alle anderen Anbieter — egal ob Bet365, Bwin, Tipico oder weniger bekannte internationale Buchmacher — operieren ohne Schweizer Konzession und stehen auf der Sperrliste der Gespa. Das ist keine Meinung, sondern die gesetzliche Realität.
Schweizweit wurden 2024 insgesamt 55 neue Spiele von der Gespa für die Lotteriegesellschaften genehmigt (Gespa, Jahresbericht und Statistik 2024). Das zeigt, dass das Duopol aktiv weiterentwickelt wird — aber internationale Wettbewerber erhalten keine Zulassung. Für Tipper, die die Markttiefe oder die Quoten der grossen internationalen Anbieter suchen, entsteht dadurch ein strukturelles Problem. Dieser Widerspruch zwischen Angebot und Nachfrage ist der Kern aller Spannungen im Schweizer Sportwettenmarkt.
Wie die DNS-Sperre funktioniert und was auf der Gespa-Sperrliste steht
Die Schweiz hat eine besonders wirksame Methode gewählt, um den Zugang zu nicht-lizenzierten Wettanbietern zu blockieren: die DNS-Sperre. Auf dem Papier klingt das technisch und harmlos. In der Praxis bedeutet es, dass sämtliche Schweizer Internetprovider gesetzlich verpflichtet sind, die DNS-Einträge für alle auf der Gespa-Sperrliste stehenden Domains aufzulösen — was den Zugang faktisch unterbindet, ohne dass der Nutzer es aktiv bemerkt.
Am Ende des Jahres 2024 standen 490 Domains ausländischer Glücksspielanbieter auf der Gespa-Sperrliste (Gespa, Jahresbericht und Statistik 2024). Gleichzeitig enthielt die Blockliste der ESBK für Online-Glücksspielangebote zum Jahresende 2024 insgesamt 2’093 Einträge — ein Anstieg von 601 Einträgen (+40%) innerhalb eines einzigen Jahres (ESBK, Tätigkeitsbericht 2024). Diese Zahlen zeigen: Die Behörden blockieren aktiv und in grossem Massstab. Die Listen wachsen schneller als je zuvor.

Die Umsetzung der DNS-Sperre erfolgt durch die ISPs (Internet Service Provider). Swisscom, Sunrise, Salt und alle anderen grossen Schweizer Internetanbieter sind per Gesetz verpflichtet, die Listen der Gespa umzusetzen. Es gibt kein Verfahren, mit dem ein ausländischer Anbieter Einspruch erheben kann, ohne eine Schweizer Konzession zu besitzen — die Gespa kann Domains ohne Vorwarnung auf die Liste setzen.
Praktisch bedeutet das für den Tipper: Ein direkter Aufruf einer gesperrten Domain aus dem Schweizer Netz führt zu einer Fehlermeldung oder leitet auf die Gespa-Informationsseite weiter. VPNs oder DNS-Umgehungstools können technisch funktionieren — dazu mehr im Abschnitt zum Risiko. Bemerkenswert ist, dass gegen keinen der vier Sperrlisten-Publikationen des Jahres 2024 ein Einspruch eingelegt wurde (Gespa, Jahresbericht 2024) — ein Zeichen dafür, dass die betroffenen Anbieter die Schweizer Rechtslage faktisch akzeptieren.
Welche Steuern auf Wettgewinne in der Schweiz wirklich anfallen — je nach Anbieter
Viele Tipper gehen davon aus, dass Wettgewinne in der Schweiz immer steuerfrei sind. Das ist ein gefährlicher Irrtum — denn die Antwort hängt entscheidend davon ab, wo du gewettet hast. Die Unterscheidung zwischen lizenzierten und nicht-lizenzierten Anbietern hat hier direkte finanzielle Konsequenzen.
Nach Schweizer Recht (BGS) sind Gewinne von bis zu CHF 1’070’400 pro Einzelwette bei den lizenzierten Anbietern Sporttip und Jouez Sport vollständig von der Einkommenssteuer und der Verrechnungssteuer befreit. Das bestätigt Swisslos auf seiner offiziellen Informationsseite (swisslos.ch, 2026): Wer legal spielt, geniesst diesen substanziellen Steuervorteil.

Bei nicht-lizenzierten, ausländischen Anbietern sieht die Rechtslage fundamental anders aus: Wettgewinne sind vollständig als Einkommen zu versteuern — ohne jede Freigrenze (Swisslos, swisslos.ch, 2026). Das klingt abstrakt, hat aber sehr konkrete Auswirkungen: Wer bei einem internationalen Buchmacher CHF 10’000 gewinnt, muss diesen Betrag vollständig in der Steuererklärung angeben und zum persönlichen Grenzsteuersatz versteuern. Je nach Kanton und Einkommensstufe kann das 20-40% des Gewinns bedeuten.
Wer bei einem Wettsteuer Schweiz-Thema tiefer einsteigen möchte, findet dort eine vollständige Aufschlüsselung aller steuerrelevanten Szenarien. Wichtig für die Praxis: Viele Tipper, die bei internationalen Anbietern spielen, deklarieren ihre Gewinne nicht. Das ist nicht nur steuerpflichtig, sondern kann bei einer Steuerprüfung zu erheblichen Nachzahlungen und Bussen führen.
Wie konsequent verfolgt die Schweiz Verstösse gegen das Geldspielgesetz?
Die ESBK hat im Jahr 2024 38 Hausdurchsuchungen im Kampf gegen illegales Glücksspiel durchgeführt — 46% mehr als im Vorjahr (ESBK, Tätigkeitsbericht 2024, Medienmitteilung 25. Juni 2025). Diese Zahl allein zeigt, dass die Schweizer Behörden keineswegs tatenlos zusehen. Der Vollzug hat sich verschärft, und die Signale sind klar: Die Toleranz für illegale Anbieter nimmt ab.
Im selben Jahr eröffnete die ESBK 132 Strafverfahren im Zusammenhang mit illegalem Glücksspiel — gegenüber 103 im Jahr 2023, ein Anstieg von 28% (ESBK, Tätigkeitsbericht 2024). Die Verfahren richten sich primär gegen Anbieter und Betreiber, nicht gegen einzelne Spieler. Das ist ein wichtiger Unterschied: Das BGS zielt hauptsächlich auf die Angebotsseite des Markts. Ein einzelner Tipper, der bei einem gesperrten Anbieter wetzt, steht nicht im Fokus der Strafverfolgung.

Anders sieht es bei der Werbung aus. BGS Art. 74 und 131 verbieten explizit die Werbung für nicht-lizenzierte Glücksspielanbieter — mit Bussen von bis zu CHF 500’000 (wmchfussball.com, unter Berufung auf BGS Art. 74 und 131, 2026). Schweizer Publisher, Affiliates oder Influencer, die für gesperrte Anbieter werben, riskieren erhebliche Strafen. Das ist ein häufig übersehener Aspekt: Der Tipper selbst hat ein relativ geringes persönliches Risiko, aber Dritte, die für solche Anbieter werben, nicht.
Welches Risiko trägst du als Tipper bei nicht-lizenzierten Anbietern?
Was riskiere ich persönlich, wenn ich bei einem gesperrten Anbieter wette? Das ist die Frage, die sich die meisten Schweizer Tipper irgendwann stellen. Die ehrliche Antwort: Das strafrechtliche Risiko für den einzelnen Spieler ist derzeit gering — das BGS richtet sich primär gegen Anbieter und Werber, nicht gegen Spieler.
Im Jahr 2024 hat die Gespa 67 strafrechtliche Entscheide erhalten und 12 Strafanzeigen wegen Verstössen gegen das Geldspielgesetz eingereicht (Gespa, Jahresbericht und Statistik 2024). Diese Anzeigen betrafen nicht gewöhnliche Spieler, sondern Akteure auf der Angebotsseite. Das strafrechtliche Risiko für den Tipper besteht also faktisch vor allem in der Steuerpflicht auf Gewinne — nicht in einer Strafverfolgung wegen des Wettens selbst.

Das eigentliche Risiko liegt woanders: Wer bei einem nicht-lizenzierten Anbieter ein Konto eröffnet, hat keine Schweizer Rechtsdurchsetzung im Rücken. Im Streitfall — etwa wenn Gewinne nicht ausbezahlt werden oder das Konto gesperrt wird — gibt es keine Schweizer Regulierungsbehörde, bei der man Beschwerde einreichen kann. Der Spieler ist auf die Gerichtsbarkeit des jeweiligen Landes angewiesen, das dem Anbieter eine Lizenz erteilt hat (Malta, Curaçao, Gibraltar, Isle of Man). Das ist ein erhebliches praktisches Risiko, das viele unterschätzen.
Zudem gilt: BGS Art. 74 und 131 legen fest, dass das Bewerben von nicht-lizenzierten Anbietern mit Bussen bis CHF 500’000 geahndet werden kann (wmchfussball.com, 2026). Als Tipper bist du davon nicht direkt betroffen — aber du weisst nun, warum viele Affiliate-Seiten trotz des rechtlichen Drucks weiterhin für internationale Anbieter werben. Die Grauzone ist bewusst konstruiert, und der Tipper bewegt sich an deren Rand. Für eine vertiefte Einschätzung der Risiken empfehle ich den Artikel zur Gespa-Sperrliste.
Was sich 2026 im Schweizer Sportwettenrecht noch ändern könnte
Die Schweizer Regulierung des Glücksspiels ist selten statisch — und 2026 gibt es einige Entwicklungen, die Tipper im Auge behalten sollten. Die ESBK hat ihren Tätigkeitsbericht 2024 mit deutlichen Signalen verbunden: mehr Vollzug, mehr Strafverfahren, eine schneller wachsende Sperrliste. Die Regulierungsintensität nimmt zu, nicht ab.
Im Jahr 2024 hat die Gespa 55 neue Spiele für die Lotteriegesellschaften genehmigt (Gespa, Jahresbericht und Statistik 2024). Das deutet auf eine aktive Weiterentwicklung des lizenzierten Angebots hin — Sporttip und Jouez Sport bauen ihr Sortiment kontinuierlich aus, um der Nachfrage nach mehr Märkten entgegenzukommen. In vier Kantonen wurden 2024 zudem acht Konzessionen für lokale Sportwettereignisse vergeben und in 19 Kantonen Lizenzen für kleine Pokerturniere (Gespa, Jahresbericht und Statistik 2024).
Was sich weniger wahrscheinlich ändert: die Grundstruktur des Markts. Das Duopol aus Swisslos und Loterie Romande ist verfassungsrechtlich verankert — eine Öffnung für internationale Anbieter würde eine Verfassungsrevision erfordern. Diskussionen über eine mögliche Marktöffnung existieren in akademischen und politischen Kreisen, haben aber bisher keine parlamentarische Dynamik entwickelt. Wer auf eine baldige Legalisierung internationaler Anbieter hofft, dürfte 2026 enttäuscht werden. Der Schweizer Sonderweg beim Glücksspiel bleibt vorläufig bestehen — mit allen Konsequenzen für Tipper, die mehr als das Angebot von Sporttip suchen. Mehr zur rechtlichen Einordnung internationaler Anbieter bietet der Artikel zur Übersicht der Fussball-Wettanbieter für Schweizer.
Was regelt das Geldspielgesetz für Sportwetten in der Schweiz?
Das Bundesgesetz über Geldspiele (BGS), seit 1. Januar 2019 in Kraft, regelt alle interkantonal, online oder automatisiert durchgeführten Sportwetten. Es legt fest, dass nur Swisslos (Sporttip) und die Loterie Romande (Jouez Sport) eine Konzession zur Veranstaltung solcher Wetten besitzen. Alle anderen Anbieter operieren ohne Schweizer Konzession und stehen auf der Gespa-Sperrliste.
Wie funktioniert die DNS-Sperre für Wettanbieter in der Schweiz?
Die Gespa (Interkantonale Geldspielaufsicht) führt eine Sperrliste nicht-lizenzierter Glücksspielanbieter. Schweizer Internetprovider sind gesetzlich verpflichtet, die DNS-Einträge aller gelisteten Domains zu sperren, sodass der Zugang für Nutzer aus Schweizer Netzen blockiert wird. Ende 2024 standen 490 Domains auf der Gespa-Sperrliste.
Sind Wettgewinne bei ausländischen Anbietern in der Schweiz steuerpflichtig?
Ja. Gewinne bei nicht-lizenzierten, ausländischen Wettanbietern sind in der Schweiz vollständig als Einkommen steuerpflichtig — ohne Freigrenze. Bei lizenzierten Anbietern (Sporttip, Jouez Sport) hingegen sind Gewinne bis CHF 1"070"400 pro Einzelwette von der Einkommens- und Verrechnungssteuer befreit.
Kann man in der Schweiz für das Wetten bei gesperrten Anbietern bestraft werden?
Das BGS zielt primär auf Anbieter und Werber, nicht auf einzelne Spieler. Für den Tipper persönlich besteht derzeit kein erhebliches strafrechtliches Risiko durch das blosse Wetten bei einem gesperrten Anbieter. Das finanzielle Risiko besteht jedoch in der Steuerpflicht auf Gewinne und im fehlenden Rechtsschutz bei Streitigkeiten mit dem Anbieter.
Dieses Material wurde vom Team WettCheck erstellt.